Quo vadis, Graubünden?

Graubünden schneidet schweizweit am schlechtesten ab, was die Dichte an wachstumsstarken Unternehmen anbelangt. Gründe dafür gibt es viele. Doch die wirklich wichtige Frage ist: Was tun wir dagegen und wie bringen wir mehr Innovation in die Bündner Wirtschaft? Wir präsentieren zwei Ansätze.

Schwarz auf weiss und ungeschminkt: Nach einer Erhebung des Bundesamt für Statistik bildet Graubünden das Schlusslicht aller Kantone, was der Anteil an wachstumsstarken Unternehmen anbelangt. Das berichtet heute die Südostschweiz (vgl. Grafik).

Gründe werden von Peder Plaz (Wirtschaftsforum Graubünden) und Heinz Dudli (Präsident Handelskammer Graubünden) einige genannt: Subventionsmentalität, fehlende Ingenieure, der kriselnde Tourismus und darbende Bauwirtschaft, die dezentrale Situation im Kanton. Diese Gründe sind alle nachvollziehbar und richtig. Doch die eigentliche Frage ist: Was tun wir für mehr Unternehmertum und für einen besseren Nährboden für Innovationen? Wir stellen hier zwei Lösungsansätze vor.

In Start-up-Kultur und Finanzierungsmöglichkeiten für Jungunternehmer investieren

Seit Jahren verfolgt das KMU-Zentrum Graubünden die Gründungsstatistiken von neuen Firmen. Der Grossteil dieser neu im Handelsregister eingetragenen Firmen sind Kleinstgewerbe (Maler, Gipser, Maurer, usw.), Beratungsfirmen, Zweigniederlassungen, Treuhandgesellschaften, Gastronomie- und Beherbergungsfirmen sowie Logistikunternehmen. Nur ganz vereinzelt sind eindeutig innovative Konzepte darunter, die vermuten lassen, dass echte Innovationen und wirklich Neues entstehen wird. Eine mögliche Erklärung ist, dass junge Menschen ins Unterland abwandern. „Brain drain“ ist das Stichwort, und hat verheerende Folgen für Graubünden. Just die Menschen, die neue Ideen und aktuelles Know-How in die Wirtschaft Graubündens einbringen könnten, finden hier nur mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten. Im KMU-Zentrum Graubünden begegnen wir aber immer wieder sehr innovativen Jungunternehmern. Ihr grösstes Problem: Die Finanzierung. Seed-Kapital ist in der Schweiz äusserst schwierig aufzutreiben. Weder Banken noch öffentliche Förderinstrumente sind in der Regel bereit, echte Risiken mitzutragen. Eine Wohlstandserscheinung? In Zeiten von Negativzinsen scheint es reichlich skurril, dass es für Jungunternehmer derart schwierig ist, das nötige Kapital in der Anfangsphase aufzutreiben.  Der Lösungsweg ist klar:  Wir müssen an einer Start-up-Kultur arbeiten, die auch Finanzierungsmöglichkeiten für Jungunternehmer beinhaltet.

Digitalisierung als Chance

Es ist klar: Die Digitalisierung ist eine riesige Chance für Graubünden. Die Ortsunabhängigkeit von Mitarbeitenden und von Unternehmen wird dadurch erst möglich. Das zeigen die vielen Co-Working-Spaces, die derzeit überall wie Pilze aus dem Boden schiessen. Und das zeigen auch Unternehmen, wie z.B. die Alpenhirt GmbH aus Tschiertschen, die vone einem kleinen Bündner Bergdorf heraus erfolgreich im Online-Business mitmischt. Wir müssen also offen sein und das nötige Know-how in Graubünden ansiedeln, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen – und zwar nicht als Mitläufer, sondern als Pioniere!

Natürlich gibt es weitere Ansätze, die zu diskutieren sind. Doch eines ist klar: Wir alle sind gefordert. Nichts tun ist keine Option.